Samstag, 27. Dezember 2014

Kellogg’s und die Vorhaut

 

Jeder kennt Kelloggs Cornflakes, aber kaum jemand weiß, dass der puritanische Harvey Kellogg, der Erfinder der Kelloggs Cornflakes ein glühender Vorkämpfer gegen die Masturbation und andere “sexuelle Wollüste” ;-) war.

“Wollust (lateinisch voluptas) ist eine sinnliche, sexuelle Begierde und Lust, die bei sexueller Aktivität, der Befriedigung oder bei sexuellen Phantasien erlebt wird. Wollust schließt das aktive Handeln zur Steigerung der sexuellen Befriedigung ein.

Wollust beschreibt das Kultivieren einer Empfindung, die als drängend und lustvoll gilt, früher auch als ruchlos und frevelhaft. Wollust ist nicht nur körperliches Verlangen, sondern setzt auch erotische Fantasien frei. Hinter der Wollust stehen mit den damit verbundenen Fantasien starke Triebkräfte und Verlockungen. In diesem Sinne ist ein Gegenbegriff die Frigidität.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Wollust


Georg Hoffmann-Ostenhof Kellogg’s und die Vorhaut.
.

Nun zur Beschneidung: Kellogg ist nicht nur als Reformator des Frühstücks in die Geschichte eingegangen. Der Asket – er selbst soll zeitlebens sexuell enthaltsam gelebt haben – beschränkte sich keineswegs auf Diätvorschriften.
.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wütete ein obsessiver Kampf gegen die Masturbation. Diese inzwischen als universelle und harmlose, wenn nicht sogar gesundheitlich positiv erkannte Aktivität wurde dämonisiert: Sie führe direkt zu Neurosen und Psychosen, zu Rückenmarkschwund und allen erdenklichen todbringenden Leiden.

.
Kellogg war nun nicht der erste und einzige, wohl aber der einflussreichste Propagandist der Beschneidung. Die Vorhaut sei der Quell allen Übels, meinte er. Dieses kleine Hautstück verleite die Buben dazu, an sich herumzuspielen und so die Möglichkeit zu entdecken, sich selbst ganz autonom Lust zu verschaffen – eine Betätigung, die der Adventisten-Doktor als des Teufels ansah. Und so schrieb er: Die sicherste Methode, kleinen Buben die Selbstbefriedigung auszutreiben, sei die Beschneidung: „Dabei sollte die Operation ohne Anästhesie durchgeführt werden, da der kurze Schmerz eine segensreiche Auswirkung auf den Geisteszustand des Jungen haben kann – speziell, wenn die Operation mit der Idee der Bestrafung verbunden wird.“

.

Auch damit war Kellogg überaus erfolgreich. Außer den Muslimen und Juden, die seit jeher aus religiös-archaischen Gründen die Eichel ihrer männlichen Kinder mittels eines Schnittes freilegten, war 1870 noch kaum ein US-Bürger beschnitten. Die immer verrückter werdende Angst vor dem „Laster“ der Masturbation war nun die größte treibende Kraft hinter der zunehmenden und routinemäßigen Beschneidung von Buben.

.

Die hygienischen und gesundheitlichen „Gründe“ für diese Operation waren zumeist nachgeschobene Rationalisierungen. Der lustmindernde Effekt der Beschneidung blieb bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts eines der wichtigsten Argumente für diesen medizinisch unnötigen Eingriff. 1970 sollen in den USA bis zu 90 Prozent der städtischen Bevölkerung beschnitten gewesen sein – in anderen protestantischen und angelsächsischen Ländern wie Australien, England und Kanada war der Prozentsatz ähnlich hoch. Seit damals aber ist die Entwicklung rückläufig.
Heute sind nur mehr etwa die Hälfte der amerikanischen Männer beschnitten. Die Ursache dafür ist offensichtlich. Dass Masturbation gesundheitsschädlich sei, glaubt inzwischen niemand mehr. Und die sexuelle Liberalisierung hat die Selbstbefriedigung inzwischen weitgehend rehabilitiert.
.
Das ist die skurrile Geschichte der nichtreligiösen Beschneidung. Und was bringt diese in der nicht enden wollenden Sommerdebatte über Fluch und Segen der Vorhaut? Zunächst nicht sehr viel. Alle Argumente – sowohl die guten wie auch die von Vorurteilen geleiteten – sind bereits gefallen.

Fest steht jedenfalls: Die Beschneidung hält so wenig die Menschen vom Masturbieren ab, wie die Cornflakes die geschlechtliche Begehrlichkeit einzudämmen in der Lage waren. Onaniert wird immer und überall.
.
Die Beschneidung mag nun eine Körperverletzung sein. Deren traumatisierende Wirkung scheint jedoch weitgehend überschätzt zu werden. Der wütende Kampf gegen die Sünde der „Selbstbefleckung“ dürfte bisher mehr seelischen Schaden angerichtet haben als die Beschneidung. Diese zu verbieten wäre natürlich gefährlicher Unsinn. Der Wert der Religionsfreiheit muss Vorrang haben. (Anmerkung: bei diesem Absatz widerspreche ich dem Autor, die Körperverletzung steht für mich  höher und VOR der Religionsfreiheit. Keine Zugeständnisse hier an Juden und Muslime).
Die Religionen aber, welche sie zu einem wichtigen Teil ihrer Identität erklären, sind auf sich zurückgeworfen. Hygienische und gesundheitliche Argumente ziehen immer weniger. Man muss schon fest daran glauben, dass Gott wirklich will, dass dem männlichen Nachwuchs mit dem Messer zu Leibe gerückt wird.

http://www.profil.at/articles/1231/572/337061/georg-hoffmann-ostenhof-kellogg-s-vorhaut

————-

Hier noch eine fundamentalistische Tante, die ihren Sohn beschneiden lassen möchte, damit er nicht exzessiv onaniert.
 

Unfassbar: Mutter möchte Ihren Sohn der Lust berauben!
"Lehnen Sie sich zurück, halten Sie sich fest und lassen Sie die folgende Email auf sich wirken. Ich habe Sie aus einem Internetforum herauskopiert. Sie stellt einen unfassbaren Übergriff einer Mutter auf die Sexualität des Sohnes dar. Sie möchte ihn auf Rat einer Ärztin beschneiden lassen um seine Lust auf Masturbation zu behindern. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um den strafrechtlichen Tatbestand der vorsätzliche Körperverletzung!"

Diese puritanische Tante meint, dass eine Cirkumzision westentlich dazu beiträgt, dass der knapp 15 Jahre alte Sohn sich nicht bei jedem Anblick einer Frau einen herunterholt bzw. sich mit Absicht dauernd an pornografischen Darstellungen aufgeilt. Siehe folgende Grafik.



http://www.maennerarzt-linz.at/startseite_maennerarzt/beschneidung–warum/nicht-zu-glauben/

Gruß Hubert

Nietzsche und das Christentum

.
Heute Früh (26.12.2014) war im lokalen Radiosender RAI Südtirol Bozen (höchst klerikal und rabenschwarz, einzigartig in dieser Hinsicht für einen Radiosender in Europa, nahe an einem Kirchensender), so ein (Pf)Affe bei einer Moderatorin zu Gast. Der erklärte dass er während des Studiums in einem katholischem Internat mit dem Philosophen Friedrich Nietzsche in Berührung kam. Der Clou war, dass er kein Wort darüber verlor, dass das Christentum und die Priester Nietzsches ärgste Feinde waren, die es zu bekämpfen galt, wie man aus Nachfolgendem erkennen kann. Wenn es nach Nietzsche gegangen wäre, würde es das Christentum nicht mehr geben. Er prangerte vor allem die Widernatur, die Lebensfeindlichkeit und die Sklavenmoral des Christentums an. Und dieser Theologe meint er müsse sich noch damit brüsten, dass er Nietzsche gelesen hat. Seine Schlüsse daraus stellen ihm ein armseliges intellektuelles Zeugnis aus. Selig die Armen im Geiste! Das regte mich zu dieser Recherche an.

.
Gesetz wider das Christenthum.
Gegeben am Tage des Heils, am ersten Tage des Jahres Eins
(- am 30. September 1888 der falschen Zeitrechnung)
Todkrieg gegen das Laster:
das Laster ist das Christenthum
    Erster Satz. - Lasterhaft ist jede Art Widernatur. Die lasterhafteste Art Mensch ist der Priester: er lehrt die Widernatur. Gegen den Priester hat man nicht Gründe, man hat das Zuchthaus.
    Zweiter Satz. - Jede Theilnahme an einem Gottesdienste ist ein Attentat auf die öffentliche Sittlichkeit. Man soll härter gegen Protestanten als gegen Katholiken sein, härter gegen liberale Protestanten als gegen strenggläubige. Das Verbrecherische im Christ-sein nimmt in dem Maasse zu, als man sich der Wissenschaft nähert. Der Verbrecher der Verbrecher ist folglich der Philosoph.
    Dritter Satz. - Die fluchwürdige Stätte, auf der das Christenthum seine Basilisken-Eier gebrütet hat, soll dem Erdboden gleich gemacht werden und als verruchte Stelle der Erde der Schrecken aller Nachwelt sein. Man soll giftige Schlangen auf ihr züchten.
    Vierter Satz. - Die Predigt der Keuschheit ist eine öffentliche Aufreizung zur Widernatur. Jede Verachtung des geschlechtlichen Lebens, jede Verunreinigung desselben durch den Begriff "unrein” ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist des Lebens.
    Fünfter Satz. - Mit einem Priester an Einem Tisch essen stößt aus: man excommunicirt sich damit aus der rechtschaffnen Gesellschaft. Der Priester ist uns er Tschandala, - man soll ihn verfehmen, aushungern, in jede Art Wüste treiben.
    Sechster Satz. - Man soll die "heilige” Geschichte mit dem Namen nennen, den sie verdient, als verfluchte Geschichte; man soll die Worte "Gott”, "Heiland”, "Erlöser”, "Heiliger” zu Schimpfworten, zu Verbrecher-Abzeichen benutzen.
    Siebenter Satz. – Der Rest folgt daraus.
Der Antichrist
http://4umi.com/nietzsche/antichrist/gesetz

 ----------


Hier noch ein Auszug von Ursula Homann
Nietzsche und das Christentum
Bekanntlich hat der Philosoph Friedrich Nietzsche das Christentum heftig attackiert und mit einer zügellosen, unerhört schroffen Sprache verworfen. "Mit einem außerordentlichen Reichtum an Gesichtspunkten", so Jaspers, "stellte er christliche Wirklichkeiten bloß, wobei er die Gründe früherer Gegnerschaften mit aufnahm und herkömmliche Maßstäbe radikal ad absurdum führte."
Was warf Nietzsche dem Christentum vor?
Nietzsche warf ihm vor, es habe den Lebenswillen geschwächt. Die Begriffe Gott, Jenseits, Seelenheil und Sünde seien nur erfunden worden, um das Leben in Frage zu stellen, das Diesseits zu entwerten, den Leib zu verachten und die Menschen zu knechten, moralisch zu erniedrigen und zu terrorisieren. "Der christliche Glaube ist von Anbeginn Opferung: Opferung aller Freiheit, alles Stolzes, aller Selbstgewissheit und des Geistes: zugleich Verknechtung und Selbst-Verhöhnung, Selbst-Verstümmelung."

Zudem sei das Christentum eine Religion der kaum maskierten Rachegefühle, weil es ein Sieg der Schlechtweggekommenen, Schwachen und Ohnmächtigen sei. Nietzsche behauptete weiter, das Christentum habe dem Eros Gift zu trinken gegeben, an dem er zwar nicht gestorben, aber zum Laster entartet sei. "So ist es denn dem Christentum gelungen, aus Eros und Aphrodite - großen idealfähigen Mächten - höllische Kobolde und Truggeister zu schaffen durch die Martern, welche es in dem Gewissen der Gläubigen bei allen geschlechtlichen Erregungen entstehen ließ."
Das Christentum mache krank, es habe "die Krankheit nötig, ungefähr wie das Griechentum einen Überschuss von Gesundheit nötig hat", sagte Nietzsche und: "Das Christentum war bisher das größte Unglück der Menschheit." Nietzsche lastete dem Christentum "Vergiftung, Verleumdung, Verneinung des Lebens, die Verachtung des Leibes, die Herabwürdigung und Selbstschändung des Menschen durch den Begriff Sünde" an. Die einzige Praxis der christlichen Kirche bestehe darin, der Menschheit jedes Blut, jede Liebe und jede Lebenshoffnung aus den Adern zu saugen. Das Christentum sei die schlimmste Verschwörung, die es je gegeben habe, gegen alles, was gesund, schön, wohlgeraten und gut sei, ja gegen das Leben selbst.

Im Christentum und im Judentum, in dem das Christentum seine Wurzeln hat, sah der Philosoph Phänomene der "Décadence" und im gekreuzigten Gott ein "Ärgernis", "ein Fluch auf das Leben." Denn von Beginn an habe die christliche Religion unser irdisches Leben diffamiert und geschwächt. Der Nihilismus sei nicht, wie oft missverstanden, eine von ihm, Nietzsche, vorgetragene Leugnung von Sinn und Religion, sondern "eine innere Verfassung des Christentums selbst." Christentum war für Nietzsche, infolge seiner moralisch motivierten Weltverneinung, "die gefährlichste und unheimlichste Form aller möglichen Formen eines Willens zum Untergang - ein Zeichen tiefster Erkrankung, Müdigkeit, Missmutigkeit, Erschöpfung und Verarmung an Leben."
Nietzsche unterstellte dem Christentum extreme Lebensfeindlichkeit: Es macht keinen Mut zum Leben, es erzieht zum Muckertum, zum Herdendasein, zur Verderbnis der Vernunft durch die Erbsünde, verschließt die Augen vor der Wirklichkeit, weder die Moral noch die Religion berührt im Christentum mit irgendeinem Punkte Wirklichkeit. Es verlegt das Schwergewicht des Lebens ins Jenseits, nicht ins Leben. Richtet nicht, sagen sie, aber sie schicken alles in die Hölle, was ihnen im Wege steht.

Das Christentum ist die lebensfeindliche Macht schlechthin, die auch in einer prinzipiellen Kunstfeindlichkeit zum Ausdruck kommt. Nach ihren anfänglichen Siegen über die Völker des Abendlandes in der Zeit der Renaissance sei das Christentum beinahe schon durch die lebensbejahenden Mächte überwunden worden, hätte sich nicht eine Erneuerung der christlichen Religion in der Gestalt Luthers gegen die Renaissance erhoben und die endgültige Vernichtung der lebensfeindlichen Macht des Christentums und der Kirche aufgehoben. Nietzsche kritisierte die Reformation als Reaktion gegen die frühe Aufklärung der Renaissance, die der Philosoph vor allem durch Petrarca, Erasmus von Rotterdam und Voltaire verkörpert sah. Der Protestantismus glaubte, laut Nietzsche, das Christentum gereinigt zu haben, indem er es durch Verinnerlichung verflüchtigte und aus der Welt schaffte. Nietzsche, der Sohn eines evangelischen Pfarrers, beurteilte Luther und sein Werk in Ausdrücken, die an die heftigste konfessionelle Polemik der älteren katholischen Geschichtsschreibung erinnern. Luther erscheint bei ihm als "der gefährlichste Pessimist", der jenen Grundirrtum gebracht habe, "dass es nur auf den Glauben ankomme und dass aus dem Glauben die Werke notwendig folgen müssen", der die Menschen mit einem "geistlichen Überfall überrumpelt."
Hier weiterlesen:
Nietzsche-und-das-Christentum

----------

Auszug aus einem Interview "Nietzsche gegen das Christentum" mit Hermann Josef Schmidt.

Was ist denn, auf den Punkt gebracht, das Nietzsche-Spezifische an seiner Christentumskritik?
Spezifisch für Nietzsche dürfte sein, dass an Stelle eines einzelnen Punktes eher, seiner Entwicklung folgend, eine nietzschetypische Kette, beginnend in Nietzsches Kindheit, zu skizzieren wäre. So demonstriert schon der 11-Jährige, dass er Theodizeeprobleme für unauflösbar hält. Für welches damalige Kind galt das sonst? Bereits der Jugendliche betont den hypothetischen Charakter christlicher Glaubensinhalte. Der 20-Jährige erkennt, dass die Stärke eines Glaubens unabhängig vom Inhalt oder der Qualität eines Glaubensinhalts ist. Später assimiliert und verschärft Nietzsche jedwedes philosophische, geistes- oder naturwissenschaftliche Argument, das er als intensiver Leser aufzuspüren und kritisch gegen das Christentum einzusetzen vermag. Charakteristisch ist die durchgehaltene Leidenschaftlichkeit, Polyperspektivität, Brillanz und zunehmende Vehemenz, seiner Auseinandersetzung, Argumentation und zuletzt Verurteilung.
Dabei scheint er in jeden Winkel und selbst in den Bauch des Christentums gekrochen zu sein. Spät erst wird als Intention deutlich, Christentum in seinen Ansprüchen nicht nur argumentativ destruieren, sondern in einem "Todkrieg” physisch "vernichten” zu wollen, weil es unter anderem durch Verachtung des geschlechtlichen Lebens "die Widernatur” lehre.
 
http://hpd.de/node/18751


----------


Auszug - Armin Pfahl-Traughber
    Also sprach Nietzsche: "Gott ist tot!"
    ...
    "Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt - ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen ... Ich heiße das Christentum den einen großen Fluch, die eine große innerlichste Verdorbenheit, den einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist - ich heiße es den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit ..." Diese wortgewaltigen Sätze finden sich gegen Ende der 1888 fertiggestellten und 1895 erschienenen Schrift "Der Antichrist. Fluch auf das Christentum" von Friedrich Nietzsche. Der Philosoph artikulierte darin seine fundamentale Ablehnung des Christentums. Doch wie kam er zu dieser Auffassung und wie begründete er sie? Und: War sie im Sinne eines humanistischen Atheismus motiviert?
    Leben und Werk
    Geboren wurde Friedrich Nietzsche 1844 als Pfarrersohn, wuchs protestantisch sozialisiert auf und sah sich bereits als Kind tief von der Bibel geprägt an. Im frühen Bewusstsein des Andersseins und der Einsamkeit interessierte er sich schon in jungen Jahren intensiv für Fragen der Kunst, Philologie und Philosophie. Bereits in der Schulzeit scheinen indessen auch erste Zweifel an der christlichen Religion aufgekommen zu sein. Entdeckte Nietzsche doch aufgrund seiner logischen Schulung schnell Widersprüche in den Glaubenslehren der Bibel. Indessen vollzog sich sein Bruch mit dem Christentum nicht unmittelbar, sondern erst später in einem langwierigen individuellen Lernprozess.
    1864 begann Nietzsche das Studium der Theologie und klassischen Philologie an der Universität Bonn, das er 1865 in Leipzig fortsetzte.

(Dr. phil. Armin Pfahl-Traughber, Jahrgang 1963, Politikwissenschaftler und Soziologe)
Hier weiterlesen:
http://www.dober.de/religionskritik/gott_ist_tot.html

Gruß Hubert

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Die M-Fraktion der deutschen Bischöfe

Es ist schon erstaunLich zu welchen "Taten" und "Worten" manche Bischöfe fähig sind. Ich glaube die leben in einem eigenen Universum. Den Kontakt zu "Normalbürgern" haben solche Bischöfe schon lange verloren. Das ist bei ihnen viel schlimmer als bei Politikern. Zumindest sind sie aber nicht gefährlich. Sie kosten der Allgemeinheit halt viel, weil sie der Staat ja nach Kräften unterstützt und fördert. Privilegien haben sie viele. Sie führen Kindergärtren, Krankenhäuser usw. - mit zu 97-98 Prozent von Geldern des Staates, entlassen dann aber zum Beispiel Angestellte, weil sie sich scheiden ließen. Hier gilt das Prinzip nicht: Wer zahlt, der schafft an.
Lange Zeit habe ich die berühmte M-Fraktion der deutschen Bischöfe – Mixa, Müller, Meisner – als die Krönung des kirchlichen Irrsinns angesehen.
Daher heißen meine beiden meistgeliebten Katholiken auch Matthias Matussekund Martin Mosebach. Das sind Doppel-M's.
Für den organisierten Atheismus in Deutschland ist es wahrlich ein großer Verlust, daß Mixa (abgesetzt wegen Prügel, Lügen und Alkoholismus), Meisner (Abgesetzt wegen Gerontentums) und Müller (versetzt nach Rom als Nr.3 des Vatikans, nachdem er vorbildlich die Aufklärung von priesterlichem Missbrauch blockiert hatte) verschwunden sind.
Ich vermisse Mixa….
Dabei hatte er vom kruden Holocaustvergleich, über Veruntreuung von Geld bis hin zum beherzten Griff unter die Soutanen seiner Priesteramtskandidaten ("Bleib hier - ich brauche deine Liebe!") so ziemlich alles drauf, womit die allerhöchsten Kleriker des Vatikans glänzen.
Noch wichtiger ist natürlich sein hervorragender Draht zum Ratzinger, Joseph, der Mixa äußerst symbolträchtig als erste Amtshandlung seines Pontifikats zum Bischof von Augsburg beförderte.
So lange das Triumvirat der Trottel in Deutschland aktiv war, mochte ich Marx und Mussinghoff nicht recht dazu zählen, weil sie nicht bizarr genug erschienen.
Aber, das muß ich neidlos zugeben, seit Marx zum Kardinal erhoben wurde, den Vorsitz der DBK (Deutsche Bischofskonferenz) erkämpfte und zudem auch noch in Franzels exklusives Beratergremium aufrückte, erweist er sich seinem Anfangsbuchstaben würdig!
Er allein wird nach der Ausstrahlung der ARD-Doku über die Kirchenfinanzen durch sein dummdreistes Auftreten hunderte zum Austritt aus seinem Verein bewogen haben.
Und auch beim zweiten Aufregerthema, dem Kinderficken, ist Deutschland mal wieder Schlußlicht. 2011 und 2012 wurden vom Vatikan insgesamt 384 römisch-katholische Priester entlassen; im Jahr 2013 trudelten laut des vatikanischen Innenministers, Erzbischof Angelo Becciu noch einmal gut 600 Anzeigen gegen Päderasten-Priester ein.
Selbst die ultrafromme Tagesspiegel-Religiotin Claudia Keller, kritisiert ihre Kirche. Das will schon etwas heißen!
Erstmals macht der Vatikan einem hochrangigen Kirchenmitarbeiter wegen Missbrauchs den Prozess. In Deutschland dauert die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle noch an. Sehr viel passiert ist bisher nicht.
 [….] "Wenn Wesolowski tatsächlich der Prozess gemacht wird,  wäre das ein starkes Signal", sagt Matthias Katsch, der Sprecher der Betroffenen-Vereinigung "Eckiger Tisch". In dem Gremium versammeln sich Menschen, die als Jugendliche von Jesuitenpatern missbraucht wurden. "Es wäre ein Zeichen dafür, dass  die Kirche entschieden gegen Täter in den eigenen Reihen vorgeht, egal welche Positionen sie bekleiden", sagt Katsch. Er hofft, dass dieses Signal auch in Deutschland gehört wird und  auch hierzulande manchen  Bischof  motiviert,   entschieden gegen Missbrauchstäter vorzugehen und auch die Fälle der Vergangenheit aufzuklären.
[…] Von einer solchen Signalwirkung bis nach Deutschland will man in der Deutschen Bischofskonferenz nichts wissen. "Das ist eine rein vatikanische Angelegenheit", sagte Matthias Kopp, der Sprecher der Bischofskonferenz, am Donnerstag. "Die kommentieren wir nicht."
Im März hatte die Deutsche Bischofskonferenz ein Forschungskonsortium um den Neurowissenschaftler Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim mit der Aufarbeitung der Fälle sexueller Gewalt in der katholischen Kirche beauftragt. […] Es ist der zweite Anlauf in der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Im Januar 2013 war die Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert – unter anderem an der Frage, wer nach den Akten in den Kirchenarchiven sucht, ob das Forschungsteam in die Archive steigt oder Mitarbeiter der Kirche.
Doch seit März ist nicht viel passiert. Nach wie vor ist unklar, wie viele Bistümer sich in welcher Form beteiligen, bis in welche Zeit die Akteneinsicht zurückgehen soll und wer die Daten bereitstellt. […]
Nur Blitzbirne Marx, der sich in seinem Luxus-Palais immer noch ganz als Fürstbischof geriert, rätselt immer noch wieso Gläubige aus der RKK austreten und weiß nicht was man dagegen tun könnte. Auskünfte über das dreistelligen Milliardenvermögen seiner Kirche in Deutschland, während täglich 20.000 Kinder auf der Welt verhungern und Millionen Flüchtlinge im Elend vegetieren, will Marx nicht geben.
179.000 Menschen kehrten 2013 der katholischen Kirche den Rücken. Suche nach "Gegenmittel"
Mit guter Arbeit in den Pfarreien will die katholische Kirche in Deutschland der Austrittswelle ihrer Mitglieder begegnen. Die Botschaft müsse lauten: "Wir sind für euch da – Tag und Nacht", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Reinhard Kardinal Marx, am Freitag zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda. […..]
Marx betonte, er wolle den Mitgliederschwund nicht schönreden. Aber der Rückgang sei auch durch den gesellschaftlichen Wandel begründet, der nicht allein die Kirche treffe. "Wir werden den Trend nicht einfach brechen können", befand der DBK-Vorsitzende.
Gründe für die Verluste seien die Individualisierung, Säkularisierung und Pluralisierung, sagte Marx. Die Menschen heute seien wesentlich freier bei ihrer Sinnsuche in einer vielfältigen Gesellschaft. "An diesen äußeren Bedingungen können wir nicht so viel ändern", erklärte er. Marx mahnte aber: "Wir müssen das Gespräch mit ihnen suchen."  […..]